Sonntag, 25. Dezember 2016

Was ein Schauspiel



Ich habe mir jahrelang selber was vorgemacht. Die Schwere meiner Probleme nicht erkannt, runtergespielt und verdrängt.

Mir wurde immer wieder gesagt, wie ich zu leben habe, ich müsse mich anpassen. Eigentlich wollte ich das aber nicht. Am Ende fing ich an mich zu kleiden, wie die Anderen und tat so, als interessierten mich diese Boygroups und all der Mist. Ich machte allen was vor und auf den ersten Blick war ich beinahe ein normaler Teenager. Aber eben nur beinahe.

Nach der Schule ging das so weiter, aber ich blieb trotzdem immer die Aussenseiterin, ich wirkte nur "angepasster".

Wer mich nicht näher kennt, hält mich zwar für etwas schrullig und albern, aber wie ich wirklich bin, wissen nur wenige.

In den letzten Monaten halfen mir die stationären Aufenthalte und die Therapien, mein Ich verstehen zu lernen.

Aber es führt auch dazu, daß ich immer weniger dazu bereit bin, mich zu verstellen.

Ich will endlich ich selber sein, mit all meinen Macken. Mich nicht mehr hinter einer Fassade verstecken müssen, denn es zehrt mich aus. Macht mich kaputt. Warum sollte ich auch ständig versuchen, so wie alle zu sein, wenn ich es am Ende doch nicht kann? Ich möchte diese Fassade in die Luft sprengen, wieder ich selber sein können.

Denn ich kann so nicht ewig weitermachen und ich muss zusehen, daß es mir zumindest halbwegs gutgeht. Es gibt da nämlich Menschen die mich brauchen, meine Kinder.

Ich für mich schauspieler eigentlich ständig und meine Erfahrungen damit sind nicht nur Gute. Es macht mich kaputt und ist nicht gut für mich, aber das Umfeld erwartet nunmal, daß man sich "normal" verhält. Für alles Andere ist kein Platz und kein Verständnis da.

Sich anpassen können...
Ist ja schön und gut das man das macht. Aber es sollte nicht soweit gehen, daß man am Ende jemand ganz anderes ist.

Ich bin seit der Medikation viel ruhiger und ausgeglichener, ich spüre mich besser und habe meine Kraft besser unter Kontrolle.
Dafür bin ich aber schneller überfordert und Geräusche sowie visuelle Reize werden verstärkt. Hyperakusis oder sowas sagte man mir.

Ich bin auch oft sehr durcheinander und habe das Gefühl durchzudrehen. Vieles, was mir sonst egal war, überfordert mich jetzt. Und manche Dinge, die mich vorher ausflippen ließen, kann ich jetzt besser ertragen.

Überforderung und/oder Angst sind meine ständigen Begleiter.
Lautstärke geht gar nicht, oder zu viele Leute. Und dann diese plötzliche Überforderung mit Allem... Habe ich soooooo oft.

Alles hört sich dann EXTREM laut an. Jedes einzelne Geräusch hallt durch meinen Kopf und verzerrt meine Wahrnehmung.
Genau dann sind auch Berührungen sehr unangenehm.

Ich MUSS mich dann zurück ziehen. Versuchen die Situation zu verlassen. Mache ich das nicht, bin ich schnell vom Kopf her einfach weg und kann stellenweise nicht mehr reagieren, obwohl ich alles mitbekomme. Dissoziation und Derealisierung folgt.

Bevor das geschieht, versuche ich mich mit Dingen die mich interessieren zu beschäftigen oder spiele am Handy. Ich habe verschiedene Gegenstände, die ich nutze um nicht abzudriften. Leider kann ich das nicht immer rechtzeitig.

Außer bei für mich interessante Themen... da gehe ich auf!
Allerdings sind meine Themen oft sehr eintönig, immer das Selbe oder ich verliere mich im kleinsten Detail.

Ein Auszug meines Entlassungsberichtes des 9 wöchigen Aufenthalt in der Tagesklinik besagt:

"Die ... Gruppe zeigte jedoch nur wenig Verständnis für den hohen Wissensdrang der Pat., da sie sich auch häufig in Kleinigkeiten verlor oder auf Nebensächlichkeiten bezog. Diesbezüglich kam es innerhalb der Gruppe vor allem zu Beginn häufig zu Konflikten."

"Frau A. benannte immer wieder Konflikte und Schwierigkeiten im sozialen Umfeld, Kontaktgestaltung zu Freunden... , eine Problembearbeitung gelang nur sehr begrenzt.
Im Verlauf zeigte sich die Pat. sehr reflektiert, ... In Konfliktsituationen blieb sie jedoch häufig fassadär und verharmlosend."

In den letzten Monaten halfen mir die stationären Aufenthalte und die Therapien, mein Ich verstehen zu lernen. Daher bin ich mittlerweile in der Lage mein Verhalten zu analysieren, zuzuordnen und manchmal auch dagegen zu steuern...

Aber es führt auch dazu, daß ich immer weniger dazu bereit bin, mich zu verstellen. Ich glaube, daß ich mir jahrelang selber was vorgemacht habe. Das ich die Schwere meiner Probleme nicht erkannt, runtergespielt und verdrängt habe.

Denn ich kann so nicht ewig weitermachen und ich muss zusehen, daß es mir zumindest halbwegs gutgeht. Es gibt da nämlich Menschen die mich brauchen, meine Kinder.

Meine Kinder sind mir zu wichtig und sie sollen mein altes Ich nie wieder erleben! Für mich bedeutet dies zwar, das ich mit der momentanen Medikation, andere Probleme habe als vorher, aber dafür bin ich keine so schlechte Mutter mehr. Hoffe ich.

Ich schwanke noch immer zwischen den Welten.

ADHS (Gesichert)

rezidivierende Depression (Gesichert)

Borderline-Persönlichkeitsstörung (Kriterien nicht erfüllt)


Nun geht es in andere Richtungen...

Autismus Spektrum Störung, Asperger (Verdacht)

Warten wir es ab.
Es spricht einiges dafür.

Dienstag, 20. Dezember 2016

Das Ende des Tunnels

Kennt ihr das?

Leider passiert mir das seit Monaten immer häufiger. 
Ich unterhalte mich oder sehe etwas an, womit ich mich gerade beschäftige. Dann merke ich wie sich meine visuelle Wahrnehmung verändert und ich mich stärker konzentrieren muss. Recht schnell entwickelt sich das in eine Art Tunnelblick, der sehr anstrengend ist. Der fokussierte Gegenstand wird dann klar, leicht hell umrandet und alles außerhalb verschwindet fast. Die Aufnahmefähig wird sehr gering, als benötig ich alle Energie um ein blödes Ding anzuschauen. Das ist doch bedeppert. 

Ich versuche dann den Fokus zu lösen, was mich nur sehr schwer gelingt. Ich bewege mich, schaue umher oder verlasse die Situation (z.B. Toilette). 

Keine Ahnung wie lange das anhält, 20 Minuten, 1,5 Stunden. Ich bin nur froh wenn das vorbei ist. Danach bin ich dann immer sehr erschöpft und müde. Trotz Ritalin intus, läge ich mich hin, würde ich schnell einschlafen. 

Ich habe das Gefühl, als käme es in den letzten Monaten immer häufiger. Ich muss gestehen, das ich eine leichte Variante davon auch jetzt gerade habe. Aber da keine weiteren Geräusche im Raum sind, lässt es sich aushalten. Ich merke aber schon, das es schwer wird meine Haltung zu verändern und mit dem Schreiben aufzuhören. 

Ich ringe mich jetzt durch.